Haushaltsversicherung · Ratgeber
Eine zu niedrig angesetzte Versicherungssumme ist einer der häufigsten und teuersten Fehler bei der Haushaltsversicherung. Wer im Schadenfall feststellt, dass sein Hausrat deutlich mehr wert ist als versichert, erhält oft nur einen Teil des Schadens ersetzt – selbst dann, wenn der Schaden eigentlich unter der vereinbarten Summe liegt. Dieses Risiko nennt man Unterversicherung, und es trifft in der Praxis erstaunlich viele Haushalte, weil der Wert des angesammelten Hausrats über die Jahre häufig unterschätzt wird.
Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Grundsätzen lässt sich Unterversicherung zuverlässig vermeiden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie den Wert Ihres Hausrats korrekt bestimmen, welche Rolle Quadratmeter-Pauschalen spielen, was ein Unterversicherungsverzicht bedeutet, worauf Sie bei wertvollen Einzelstücken achten müssen und welche konkreten Folgen eine zu niedrige Summe im Ernstfall hat.
Unterversicherung liegt vor, wenn die vereinbarte Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert des versicherten Hausrats. Die Versicherung geht in diesem Fall davon aus, dass Sie für einen geringeren Wert auch nur eine geringere Prämie bezahlt haben – und kürzt die Leistung im selben Verhältnis.
Maßgeblich ist dabei nicht der Zeitwert (also der gebrauchte Wert), sondern der Wiederbeschaffungswert: jener Betrag, den Sie aufwenden müssten, um alle versicherten Gegenstände in gleicher Art und Güte neu anzuschaffen. Moderne Haushaltsversicherungen ersetzen Schäden in der Regel zum Neuwert, weshalb die Summe auch auf Neuwertbasis berechnet werden muss.
Der entscheidende Punkt: Die Versicherung prüft im Schadenfall nicht nur den konkreten Schaden, sondern kann auch den Gesamtwert Ihres Hausrats heranziehen, um eine mögliche Unterversicherung festzustellen. Genau deshalb genügt es nicht, nur die teuersten Einzelstücke im Blick zu haben – es zählt die Summe aller versicherten Werte im Haushalt.
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Um die richtige Versicherungssumme festzulegen, sollten Sie den gesamten beweglichen Hausrat bewerten. Dazu zählen unter anderem:
Eine genaue Methode ist die Inventarliste: Sie gehen Raum für Raum durch und schätzen den Neuwert jedes Bereichs. Diese Liste hilft nicht nur bei der Summenermittlung, sondern dient im Schadenfall auch als Nachweis. Fotos oder Videos der Wohnung sowie aufbewahrte Rechnungen sind eine wertvolle Ergänzung.
Bei der Schätzung wird häufig unterschätzt, wie sehr sich kleine Werte summieren. Die komplette Garderobe, die Bestückung der Küche, sämtliche Bücher oder die gesammelte Technik kommen in Summe meist auf erheblich höhere Beträge, als man spontan annimmt. Es empfiehlt sich daher, eher großzügig als zu knapp zu rechnen. Ein praktischer Ansatz ist, für jeden Raum eine realistische Obergrenze festzulegen und am Ende einen Sicherheitspuffer einzuplanen, damit auch künftige Anschaffungen abgedeckt bleiben.
Weil eine vollständige Inventarliste aufwendig ist, arbeiten österreichische Versicherer meist mit einer Quadratmeter-Pauschale. Dabei wird die Versicherungssumme aus der Wohnfläche multipliziert mit einem festen Betrag pro Quadratmeter errechnet.
Die Pauschalen liegen je nach Versicherer und Ausstattungsniveau häufig im Bereich von etwa 650 bis über 1.000 Euro pro Quadratmeter. Eine 80-Quadratmeter-Wohnung käme so beispielsweise auf eine Versicherungssumme im Bereich von rund 52.000 bis über 80.000 Euro.
Der große Vorteil dieser Methode: Wer die vom Versicherer empfohlene Pauschale wählt, erhält in der Regel automatisch einen Unterversicherungsverzicht. Achten Sie aber darauf, dass die Pauschale zu Ihrer tatsächlichen Ausstattung passt – wer überdurchschnittlich hochwertig eingerichtet ist, sollte eine höhere Stufe wählen.
Beim Unterversicherungsverzicht verzichtet der Versicherer darauf, im Schadenfall zu prüfen, ob die Summe ausreichend hoch war. Voraussetzung ist üblicherweise, dass Sie die vom Versicherer vorgegebene Mindest-Quadratmeter-Pauschale einhalten.
Das bedeutet konkret: Selbst wenn Ihr Hausrat im Ernstfall einen höheren Wert hat als die vereinbarte Summe, wird der Schaden bis zur Versicherungssumme voll ersetzt, ohne anteilige Kürzung. Der Unterversicherungsverzicht ist damit ein sehr wertvolles Merkmal einer guten Polizze.
Wichtig bleibt dennoch: Die Versicherungssumme bildet immer die Obergrenze der Entschädigung. Übersteigt Ihr Schaden die Summe, erhalten Sie maximal den vereinbarten Betrag – der Verzicht schützt also vor anteiliger Kürzung, nicht vor einer generell zu niedrig gewählten Summe.
Ohne Unterversicherungsverzicht kann eine zu niedrige Summe teuer werden. Die Kürzung erfolgt im Verhältnis von Versicherungssumme zum tatsächlichen Wert. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Tatsächlicher Wert des Hausrats | 80.000 Euro |
| Vereinbarte Versicherungssumme | 40.000 Euro |
| Eingetretener Schaden | 20.000 Euro |
| Ersatz durch die Versicherung | 10.000 Euro |
Weil nur die Hälfte des Werts versichert war, wird auch nur die Hälfte des Schadens ersetzt – obwohl der Schaden deutlich unter der Versicherungssumme liegt. Auf den restlichen 10.000 Euro bleiben Sie sitzen. Genau diese unangenehme Überraschung lässt sich durch eine korrekte Summe und einen Unterversicherungsverzicht vermeiden. Besonders bitter ist das Ergebnis im Fall eines Totalschadens, etwa nach einem Wohnungsbrand: Wer hier deutlich unterversichert ist, kann auf einem erheblichen Teil des Schadens sitzenbleiben, obwohl Jahr für Jahr Prämie bezahlt wurde. Der kleine Aufwand, die Summe einmal korrekt anzusetzen, steht damit in keinem Verhältnis zum möglichen Verlust im Ernstfall.
Bei der Ermittlung der Versicherungssumme wird ein wichtiger Punkt oft übersehen: Für bestimmte besonders wertvolle Gegenstände gelten in der Polizze eigene Entschädigungsgrenzen. Diese sind meist als Prozentsatz der Gesamtversicherungssumme festgelegt und können dazu führen, dass selbst bei korrekt gewählter Gesamtsumme einzelne Werte nicht voll ersetzt werden.
Typische Beispiele für solche Sublimits:
Wer hochwertige Einzelstücke besitzt, sollte prüfen, ob die Sublimits ausreichen, und gegebenenfalls eine gesonderte Wertsachenversicherung oder eine Erhöhung der Grenzen vereinbaren. Allein eine hohe Gesamtversicherungssumme garantiert noch nicht, dass teurer Schmuck im vollen Wert ersetzt wird.
So riskant Unterversicherung ist, so wenig sinnvoll ist das Gegenteil: die Überversicherung. Wird die Versicherungssumme deutlich höher angesetzt als der tatsächliche Wert des Hausrats, zahlen Sie eine höhere Prämie, erhalten im Schadenfall aber dennoch nur den real entstandenen Schaden ersetzt. Die Versicherung leistet nie mehr als den nachgewiesenen Schaden bis zur Höhe der Versicherungssumme. Eine bewusst zu hoch gewählte Summe bringt also keinen Vorteil, sondern nur unnötige Kosten.
Ziel ist daher eine möglichst genaue, realistische Bewertung – weder zu niedrig noch zu hoch. Die Quadratmeter-Pauschale des Versicherers trifft diesen Punkt für durchschnittlich ausgestattete Haushalte meist gut. Wer deutlich einfacher oder deutlich hochwertiger eingerichtet ist, sollte die Summe entsprechend anpassen.
Der Wert des Hausrats verändert sich zudem im Lauf der Jahre – durch neue Anschaffungen, einen Umzug in eine größere Wohnung oder steigende Wiederbeschaffungskosten. Damit der Schutz passt, sollten Sie folgende Punkte beachten:
Eine kurze Kontrolle alle paar Jahre genügt meist, um sicherzustellen, dass Sie weder unter- noch unnötig überversichert sind.