Versicherungs-Ratgeber
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🇨🇭 Krankenversicherung Schweiz

Krankenversicherung in der Schweiz

KVG-Grundversicherung obligatorisch, Franchise CHF 300–2500, Zusatzversicherungen und Prämien 2025 — der vollständige Ratgeber mit Vergleich AT/DE.

Das Schweizer Krankenversicherungssystem ist weltweit bekannt und einzigartig: Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz ist verpflichtet, eine Krankenversicherung nach KVG abzuschliessen. Das System bietet hohe Qualität — aber zu hohen Prämien.

Obligatorium: Alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz müssen innerhalb von 3 Monaten nach Einreise eine Grundversicherung (KVG) abschliessen. Neugeborene müssen innerhalb von 3 Monaten nach Geburt angemeldet werden.

KVG-Grundversicherung: Was ist gedeckt?

Die Grundversicherung nach KVG (Krankenversicherungsgesetz) deckt einen einheitlichen Leistungskatalog ab — unabhängig vom Versicherer. Der Bundesrat legt fest, welche Leistungen obligatorisch sind:

LeistungsbereichGedeckt durch KVG
Allgemeine Arztbesuche (Grundversorger)Ja — nach Abzug Franchise + 10 % Selbstbehalt
Spitalbehandlung (allgemeine Abteilung)Ja — kantonale Listenspitäler
Medikamente (Spezialitätenliste)Ja — auf Spezialitätenliste gelistete Präparate
MutterschaftJa — ohne Franchise und Selbstbehalt
PhysiotherapieJa — bei ärztlicher Verordnung, begrenzte Anzahl
ZahnarztNein — nur bei Unfall oder systemischer Erkrankung
Halbprivate/private Abteilung im SpitalNein — Zusatzversicherung nötig
Alternativmedizin (Akupunktur, Homöopathie)Teilweise — einige Methoden auf Probeliste

Das Franchise-System: Die wichtigste Entscheidung

Die Franchise ist der Betrag, den Sie im Krankheitsfall selbst bezahlen, bevor die Krankenkasse leistet. Danach zahlen Sie noch 10 % Selbstbehalt (Kostenbeteiligung) bis maximal CHF 700/Jahr (Erwachsene):

FranchiseJahresprämie Ersparnis (vs. CHF 300)Max. Eigenrisiko/JahrEmpfehlung
CHF 300 (Minimum)— (Basis)CHF 300 + 700 = CHF 1.000Chronisch Kranke, häufige Arztbesuche
CHF 500ca. CHF 120–200/JahrCHF 500 + 700 = CHF 1.200Leichte Einsparung
CHF 1.000ca. CHF 400–700/JahrCHF 1.000 + 700 = CHF 1.700Mittlere Risikobereitschaft
CHF 1.500ca. CHF 600–1.000/JahrCHF 1.500 + 700 = CHF 2.200Gesunde, gelegentliche Arztbesuche
CHF 2.500 (Maximum)ca. CHF 900–1.500/JahrCHF 2.500 + 700 = CHF 3.200Junge Gesunde mit wenig Arztbesuchen

Prämienersparnis je nach Kanton, Versicherer und Tarifmodell unterschiedlich. Kinder: Franchise CHF 0–600, max. Eigenrisiko CHF 350/Jahr.

Prämien 2025 — Richtwerte nach Kanton

Die KVG-Prämien variieren stark je nach Kanton und Versicherer. Hier einige Richtwerte für Erwachsene (Franchise CHF 300, Standardmodell):

KantonDurchschnittsprämie 2025
Genf (GE)CHF 620–750/Monat
Basel-Stadt (BS)CHF 590–700/Monat
Waadt (VD)CHF 565–680/Monat
Zürich (ZH)CHF 470–580/Monat
Bern (BE)CHF 445–550/Monat
Appenzell Innerrhoden (AI)CHF 310–390/Monat
Uri (UR)CHF 310–380/Monat
Prämienverbilligung (IPV): Personen mit tiefem oder mittlerem Einkommen haben Anspruch auf kantonale Prämienverbilligung. Ca. 30–35 % der Schweizer Bevölkerung erhalten IPV-Beiträge. Beim Wohnkanton erfragen oder online prüfen.

Tarifmodelle — nicht nur Standardmodell

Wer bereit ist, die Arztwahl einzuschränken, kann erheblich sparen:

ModellFunktionsweisePrämienersparnis
StandardmodellFreie Arztwahl, direkt zum Spezialisten— (Basisprämie)
HMO (Health Maintenance Organization)Erstanlaufstelle immer beim HMO-Zentrum15–25 % günstiger
Hausarztmodell (HAM)Erstanlaufstelle immer beim Hausarzt10–20 % günstiger
TelmedErstanlaufstelle ist Telefonhotline des Versicherers12–20 % günstiger
Div. KombisHMO + hohe Franchise25–40 % günstiger

Zusatzversicherungen: Was lohnt sich?

Die Grundversicherung deckt nur die Basisversorgung. Zusatzversicherungen (nach VVG, nicht KVG) bieten Komfort und Zusatzleistungen — aber mit Gesundheitsprüfung:

ZusatzversicherungWas ist gedecktPrämie (ca.)
Halbprivat / Privat SpitalHalbprivate/private Abteilung, freie Arztwahl im SpitalCHF 60–200/Monat
ZahnarztZahnbehandlung, Kieferorthopädie (Kinder), ImplantateCHF 20–80/Monat
AlternativmedizinKomplementärmedizin (Osteopathie, Akupunktur etc.)CHF 20–50/Monat
AuslandskrankenBehandlung ausserhalb CH, inkl. RücktransportCHF 15–40/Monat
Brillen/KontaktlinsenZuschuss zu SehhilfenCHF 5–20/Monat

Krankenversicherung Schweiz vs. Deutschland vs. Österreich

Merkmal🇨🇭 Schweiz🇩🇪 Deutschland🇦🇹 Österreich
SystemtypEinheitssystem (KVG-Pflicht für alle)Duales System (GKV/PKV)Einheitssystem (ÖGK-Pflicht)
BeitragsmodellKopfprämie (einkommensunabhängig!)% des Lohns% des Lohns
Prämie/Monat (Erwachsener)CHF 310–750EUR 200–400EUR 150–350
FamilienversicherungKinder extra (bis 18 J. reduziert)Kinder/Partner kostenlos (GKV)Kinder mitversichert
Franchise/SelbstbehaltCHF 300–2500/Jahr wählbarGKV: kein; PKV: wählbarÖGK: kein wesentlicher SB
ZahnarztNicht im KVG; Zusatzvers. nötigGKV: Basis; Zusatz für ImplantateÖGK: Basis; Wahlarzt für Komfort

Krankenkasse und Franchise vergleichen

Unser Bedarfs-Check hilft Ihnen, Franchise und Tarifmodell optimal zu wählen.

Tipps: Krankenkasse in der Schweiz optimal wählen

Häufige Fragen: Krankenversicherung Schweiz

Welche Franchise soll ich wählen?

Das hängt von Ihrer Gesundheitssituation ab. Gesunde, die selten zum Arzt gehen: CHF 2500 — die Prämienersparnis übersteigt die Mehrkosten im Krankheitsfall fast immer. Chronisch Kranke oder häufige Arztkonsultationen: CHF 300. Faustregel: Bei weniger als 2–3 Arztbesuchen pro Jahr ist die hohe Franchise fast immer besser.

Kann ich die Krankenkasse in der Schweiz wechseln?

Ja — die Grundversicherung (KVG) kann jährlich per 30. November (Eingang) gekündigt und per 1. Januar gewechselt werden. Es gibt kein Risikoselektion: Jede Kasse muss alle Versicherten annehmen (Obligatorium). Die Zusatzversicherung hingegen kann gekündigt werden, aber der neue Versicherer entscheidet über die Aufnahme (Gesundheitsprüfung).

Was deckt die Grundversicherung beim Zahnarzt ab?

Die Grundversicherung deckt Zahnbehandlungen nur in eng begrenzten Fällen: bei schweren Allgemeinerkrankungen (z.B. Herztransplantation), Unfällen und schweren Kieferproblemen. Normale Zahnfüllungen, Implantate, Kieferorthopädie (bei Erwachsenen) sind nicht gedeckt. Für Zahnschutz ist eine private Zusatzversicherung (Dentalmersicherung) nötig.

Was passiert mit der Krankenkasse, wenn ich die Schweiz verlasse?

Bei Wegzug aus der Schweiz muss die Grundversicherung (KVG) auf das Datum des offiziellen Wegzugs gekündigt werden — mit entsprechendem Nachweis. Bei Wegzug in die EU/EFTA: Gegenseitige Sozialversicherungsabkommen können Leistungsansprüche begründen. Im Ausland ist die Schweizer Grundversicherung grundsätzlich nicht aktiv.

Was ist der Unterschied zwischen KVG und VVG in der Schweiz?

KVG (Krankenversicherungsgesetz) regelt die obligatorische Grundversicherung: einheitlicher Leistungskatalog, keine Risikoselektion, alle Versicherten müssen aufgenommen werden, Prämien für alle gleich (nach Kanton/Modell/Franchise). VVG (Versicherungsvertragsgesetz) regelt die freiwilligen Zusatzversicherungen: individuelle Leistungen, Gesundheitsprüfung, Risikoaufschläge oder Ablehnung möglich.

Haben Ausländer in der Schweiz KVG-Pflicht?

Ja — alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, unabhängig von Nationalität und Aufenthaltsstatus, sind KVG-pflichtig. Innerhalb von 3 Monaten nach Einreise oder Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung muss eine KVG-Versicherung abgeschlossen werden. Grenzgänger haben in manchen Fällen ein Wahlrecht zwischen Schweizer KVG und dem System ihres Wohnsitzlandes.

Ist Kinderversicherung in der Schweiz günstiger?

Ja — Kinder haben tiefere Prämien als Erwachsene. 2025 beträgt die Prämie für Kinder (bis 18 J.) je nach Kanton und Modell CHF 80–180/Monat. Die Franchise für Kinder beträgt maximal CHF 600, der maximale Selbstbehalt CHF 350/Jahr. Prämienverbilligung für Kinder ist grosszügiger — bis zu 80 % Verbilligung möglich.

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Fachliche Verantwortung: Mag. Florian Kulterer, Geschäftsführer KULTERER Holding GmbH. Zuletzt inhaltlich geprüft: 2026-08-08.